DBSV Rundschreiben 01/2012
Umfrageaktion unter blinden und sehbehinderten Verkehrsteilnehmern zu einem durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderten Forschungsvorhaben (FE 77.0500/2010) „Barrierefreie Querungsstellen an Hauptverkehrsstraßen – Ausgestaltung von Bordsteinabsenkungen und Bodenindikatoren im Detail"
Sehr geehrte Damen und Herren,
ab 14.01.2012 beginnt eine groß angelegte bundesweite Umfrageaktion unter blinden und sehbehinderten Menschen, um deren Erfahrungen hinsichtlich der Gestaltung von Borsteinabsenkungen und Bodenindikatoren an Querungsstellen der Hauptverkehrsstraßen zu sammeln und auszuwerten.
Wie hinlänglich bekannt, stellt gerade diese komplizierte Querungssituation eine erhebliche Gefahr dar, wenn Bordsteinkanten nicht richtig erkannt werden oder gar - wie immer mehr zu beobachten – Nullabsenkungen in diesem Querungsbereich vorkommen. Bereits 2006 hat sich der DBSV-Verwaltungsrat in Hamburg mit diesem Thema sehr intensiv befasst und empfohlen, diese schwierige Verkehrssituation im Rahmen eines Forschungsprojektes zu analysieren und nach Lösungen zu suchen.
Nun ist es endlich soweit, denn sowohl ein Forschungsprojekt des Bundesverkehrsministeriums als auch ein dieses Vorhaben begleitendes Projekt des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit unter der Leitung des DBSV und des Instituts für barrierefreie Gestaltung und Mobilität GmbH (IbGM)des VdK können diese für blinde und sehbehinderte, aber auch für Menschen mit anderen Behinderungen oder Einschränkungen (Rollatornutzer) komplizierte und somit auch gefährliche Verkehrssituation untersuchen.
Hier ist nun die Meinung blinder und sehbehinderter Menschen konkret gefragt und dringend gefordert. Von ihrer Beteiligung und ihren Antworten hängt sehr viel für zukünftige Umsetzungen und Planungen ab. Daher sollten so viele blinde und sehbehinderte Menschen wie möglich an dieser Umfrage bis zum 29. Februar 2012 teilnehmen.
Hier sind Sie alle, ob als Mitglied, als Ehrenamtler oder Funktionsträger gefordert. Ihr Rat und Ihre Einschätzung und Erfahrung werden dringend im Rahmen dieser konkreten Umfrage benötigt!
Blinde und sehbehinderte Menschen können nun auf folgenden Wegen an dieser Aktion ab 14 Januar 2012 bis 29. Februar 2012 teilnehmen:
1. Unter der Adresse www.bordsteinumfrage.dbsv.org kann dieser Fragebogen ab 14.01.2012 barrierefrei unter Nutzung der üblichen Hilfsmittel zu Hause oder im Büro von denen ausgefüllt werden, die einen Zugang zu diesen Medien haben.
2. Die Gegenwartausgabe 2/2012 wird für die Punktschriftleser auch eine Punkschriftausgabe dieses Fragenbogens enthalten. Sie können diese Punktschriftausgabe nutzen, um ihre Antworten später in einer telefonischen Befragung zu übermitteln.
3. Dieser Gegenwartausgabe liegen weiterhin der Fragebogen für sehbehinderte Leser und ein Briefumschlag für die Rückantwort an die ISUP GmbH in Dresden bei. Das Rückporto wird von der ISUP GmbH übernommen.
4. Dieser Fragebogen ist natürlich auch auf der DBSV-Inform-Ausgabe 2/2012 im Buch 24 als Audioformat enthalten.
5. Haben Sie Verständnisschwierigkeiten, Fragen oder möchten Sie Ihre Telefonnummer für eine spätere telefonische Befragung hinterlassen? Senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an bordsteinumfrage@dbsv.org oder rufen Sie uns an unter:
030-285387190 (DBSV, Herr Peter) oder
0351-8510729 (ISUP, Herr Pfeil)
6. Bitte füllen Sie den Fragebogen auch dann aus oder melden sich für eine telefonische Befragung an, wenn Sie nicht alle oder auch nur sehr wenige Fragen beantworten können. Wir sind auf Ihre Unterstützung angewiesen.
Wir fordern alle Landesvereine und die korporativen Mitglieder des DBSV auf, über ihre Informationskanäle diese Informationen weiter zu geben, um möglichste viele Menschen mit diesem Anliegen zu erreichen.
Diese Umfrageaktion stellt eine einzigartige Chance dar, die beschriebene Thematik zu analysieren und daraus notwendige Schlüsse für die Gestaltung der Querungssituationen im öffentlichen Bereich zu ziehen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Wir sollten diese Chance nicht ungenutzt lassen.
Hintergrund:
Im Hinblick auf die Forderung nach barrierefreien Straßenräumen ist die bauliche Ausführung von Überquerungsstellen eine entscheidende Größe.
Deutschlandweit gilt eine Bordabsenkung mit 3 cm hohem Auftritt als Kompromiss zwischen den Ansprüchen blinder und sehbehinderter Menschen sowie den Bedürfnissen der Nutzer von Rollstühlen bzw. Rollatoren. Nicht untersucht ist bisher die Frage, wie die Bordkante bezüglich Ausrundung und Neigung auszubilden ist, um für beide Gruppen einen akzeptablen Kompromiss darzustellen.
Neben der Bordsteinkante sind Bodenindikatoren ein zentrales Element barrierefreier Querungsstellen. Sie dienen blinden und sehbehinderten Menschen als Orientierungshilfe u. a. zum Auffinden von Querungsstellen. Unabhängig von ihrem Einsatzort werden dabei die unterschiedlichsten Strukturen und Materialien verwendet, ohne dass bezüglich der Wahrnehmbarkeit und Erkennbarkeit durch die Betroffenen ausreichend belastbare empirische Untersuchungen vorliegen.
Das Bundesministerium für Verkehr, Bauwesen und Städtebau (BMVBS) hat daher vor dem Hintergrund der vorgenannten Problemlage in sein Forschungsprogramm Stadtverkehr (FOPS) ein Forschungsvorhaben zu barrierefreien Querungsstellen an Hauptverkehrsstraßen aufgenommen, das nach Bewilligung nun in den Jahren 2011 bis 2013 durchgeführt wird. Dieses Forschungsprojekt wurde angeregt vom Arbeitskreis „Barrierefreie Verkehrsanlagen“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) und wird von der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e. V. (STUVA) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Verkehr und Raum (IVR) der FH Erfurt und dem Ingenieurbüro für Systemberatung und Planung (ISUP Dresden) mit Unterstützung durch das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit BKB bearbeitet.
Ziel des Vorhabens ist es, unter Beteiligung der Vertreter von Menschen mit Behinderungen weitgehend standardisierte Ausführungshinweise und Einsatzempfehlungen für die Gestaltung von Bordsteinform und Bodenindikatoren an Überquerungsstellen von Hauptverkehrsstraßen unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen sehgeschädigter und gehbehinderter Menschen zugeben. Die aus der Untersuchung abgeleiteten Empfehlungen werden für eine Fortschreibung der Regelwerke aufbereitet. Die Umsetzung der Barrierefreiheit und Standardisierung stellen unter Aspekten der gleichberechtigten Teilhabe sowie der Berücksichtigung begrenzter finanzieller Ressourcen bei den Straßenbaulastträgern einen wichtigen Baustein für eine inklusive, nachhaltige und damit zukunftsfähige Straßenraumgestaltung dar.
Eine umfassende Begleitung des Projektes durch Vertreter der Belange behinderter Menschen oder durch behinderte Menschen selbst („Experten in eigener Sache") wird als dringend erforderlich angesehen und erfolgt durch:
1. eine Beteiligung von Vertretern behinderter Menschen im Betreuungsausschuss,
2. eine Evaluierung der Ergebnisse durch Vertreter behinderter Menschen.
Für den zweiten Punkt wurde ein eigenes Arbeitspaket unter Beteiligung des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit (BKB) vorgesehen. Für die Mitwirkung in diesem FE-Vorhaben hat daher das BKB ein eigenfinanziertes Projekt unter der Projektleitung des DBSV und des Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität GmbH des VdK aufgestellt. Die umfassende Beteiligung dient auch dazu, eine breite Akzeptanz für die Untersuchungsergebnisse zu erzielen. Dies auch mit Ziel auf eine realistische Umsetzbarkeit der Gestaltungsempfehlungen in der Praxis sowie der Verankerung als Standard in den technischen Regelwerken.
Eine gleichberechtigte, behinderungsübergreifende und qualifizierte Begleitung des genannten FOPS-Projektes wird durch dieses BKB-Projekt ermöglicht. Dadurch kann sichergestellt werden, dass die unten genannten Fragestellungen durch entsprechende Recherche und Auswertung vorhandener Literatur sowie bereits erfolgter Praxistests und Feldversuche, aber auch durch Kontaktaufnahme mit der Industrie qualifiziert behandelt und in das Projekt eingebracht werden können. Diese Aufgabe werden IbGM und DBSV gemeinsam übernehmen.
Für die Umsetzung zeichnet verantwortlich:
Hans-Karl Peter
Referent für die Angelegenheiten der Fachausschüsse, Koordinierungsstellen und Arbeitskreise
Tel: 030 28 53 87 190
Fax. 030 28 53 87 200
Email: h-k.peter@dbsv.org